Dr. Alexandre Strasny 
_______________  DER KLEINE HEILPRAKTIKER    _______________
Ein Handbuch für passionierte Heilpraktiker und beharrliche Patienten  

Inhalt   
Krank geworden    Woher die Krankheiten kommen   Diäten   Reinigung   Phytotherapie  Physiotherapie    Akupressur   Selbst ist der Bioenergetiker   Yoga  
Dann gehe ich mal zum Heilpraktiker
     Alternativen Diagnostik  
Akupunktur    Massage   Manuelle Therapie    Psychotherapie    Homöopathie   
Bioenergotherapie    Ganz alternative Methoden

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Akupunktur
 

Einerseits ist die Akupunktur eine ganz eigenständige Behandlungsmethode. Andererseits kann man sie sowohl der Bioenergetik als auch der Physiotherapie zuordnen, ja sogar der Psychotherapie. Aber was spielt das schon für eine Rolle, wohin sie gehört? Alle Klassifikationen sind relativ.

Wie Sie wissen, ist die Akupunktur eine Behandlung, bei der in den Körper des Patienten spezielle Nadeln gestochen werden. Diese Nadeln sind dünner als die, mit denen Sie Löcher in Socken stopfen. Deshalb sind unangenehme Empfindungen bei der Behandlung minimal.  

Sie wissen auch, dass die Nadeln nicht in beliebige, sondern nur in bestimmte Stellen des Körpers gestochen werden. Diese Stellen bezeichnet man als biologisch aktive Körperpunkte. Diese Punkte liegen in einem bestimmten System, nämlich auf dem Meridiansystem.

Genau so wie die Chakren haben auch die Meridiane und ihre Punkte keine materielle Beschaffenheit. Das heißt: Man kann sich so lange bemühen wie man will, aber man wird nicht einmal mit Hilfe der stärksten Mikroskope einen Unterschied zwischen dem, was im „Zauberpunkt“ liegt, und dem, was sich außerhalb des Punktes befindet, feststellen können. Also kein Zentrum der Nervenwurzeln, keine besonderen Zellen oder sonst etwas Originelles. Aber im Unterschied zu den Chakren lassen sich diese Punkte mit Hilfe von Geräten orten: ihr elektrischer Widerstand unterscheidet sich vom Widerstand ihrer Umgebung.

 

Die starken Seiten der Akupunktur

Akupunktur ist eine effektive Behandlungsmethode. Das geben skeptisch gestimmte, konventionelle Ärzte ungern zu, die bei jeder Erwähnung von Irisdiagnostik, Bioenergie oder Homöopathie abfällig grinsen. 

Ich beherrsche mehrere Methoden. Aber ich musste oft auf die Akupunktur zurückgreifen, um letztendlich zu einem Ergebnis zu kommen, als sich andere Methoden als unwirksam erwiesen.

Keine Rarität ist eine „sofortige Heilung“. Das gilt besonders für akute Schmerzen. Man spürt das Ergebnis sozusagen sofort auf der Nadelspitze.

Und noch ein Vorteil: die Sitzungen bei einem Akupunkturtherapeuten sind in der Regel günstiger als die Sitzungen bei Heilpraktikern anderer Fachrichtungen. 

 

Bei welchen Fällen ist die Akupunktur effektiv?

Wenn Sie in der einschlägigen Literatur lesen, dann bekommen Sie den Eindruck, dass man durch Akupunktur alle Krankheiten heilen kann. Das stimmt aber nicht. Am besten hilft sie gegen Schmerzen. Sie funktioniert wunderbar bei Radikulitis, Neuritis, Muskelschmerzen im Rücken- und Halsbereich, bei Bänderzerrungen, bei der Bekämpfung der Alkohol-, Nikotin- und Drogensucht. Es gibt nichts Besseres als Akupunktur bei akuten Schmerzen in der Wirbelsäule und den Gelenken. Ein Patient, der vor der Sitzung hinkt, kann hinterher nach Hause tänzeln. Eine tolle Werbung für einen Heilpraktiker! Aber eine Genesung nach nur einer Sitzung kommt nicht oft vor, Normalerweise lassen sich Schmerzen nicht auf ein Mal vollständig beseitigen. Deshalb sind mehrere Sitzungen notwendig. Aber wenn der Schmerz einmal weg ist, dann tritt er so schnell nicht wieder auf.

In akuten Fällen werden die Behandlungen entweder jeden Tag oder jeden zweiten Tag durchgeführt, bei chronischen Fällen ein bis zwei Mal in der Woche. Die gesamte Behandlungsserie beinhaltet sieben bis 15 Sitzungen. Wenn sich nach der fünften Sitzung keine Besserung einstellt, ist es sinnlos, die Akupunktur fortzusetzen. Dann kann man sicher sein, dass der Körper auf diese Methode nicht reagiert.

Je länger die Behandlung dauert, desto geringer werden die Chancen, wieder gesund zu werden.

Das betrifft aber nur akute Fälle. Wenn Sie hingegen seit einigen Jahren an einer Krankheit leiden, brauchen Sie für die Genesung auch eine gewisse Zeit.

Die Akupunktur ist eine gute Ergänzung zur Manualtherapie. Das ist genau dann der Fall, wenn es besser ist, zwei Sitzungen mit verschiedenen Behandlungsmethoden durchzuführen als zwei Sitzungen mit einer einzigen.

Es ist leichter, jungen Patienten zu helfen als älteren, weil bei den jüngeren die Selbstregulierung des Organismus schneller in Gang kommt.

Eine schnelle und nachhaltige Wirkung der Akupunktur ist auch bei Funktionsstörungen zu beobachten. Gemeint sind Störungen, durch die im Körper bereits einige Probleme aufgetreten sind, aber es noch zu keinen organischen Veränderungen gekommen ist. Gut lassen sich folgende Beschwerden behandeln: Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, jede Art von Neuralgie, Spasmen der Gallenwege, der Harnleiter und der Gebärmutter. Manchmal kann durch die Akupunktur ein Fibrom der Gebärmutter verkleinert und der Verlauf des Asthmas gelindert werden. Sie hilft bei Schlaflosigkeit und beschleunigt nach einem Schlaganfall die Regenerationsprozesse im Körper. Etwas schwieriger ist die Behandlung von Gastritis, Cholezystitis, Ekzeme, Herzbeklemmung, chronische Entzündungen und Hypertonie. Bei psychischen Erkrankungen, schlaffer Lähmung, Diabetes und ernsthaften, hormonellen Störungen kann keine wesentliche Verbesserung erreicht werden.

Bei organischen Störungen aber kann dem Patienten geholfen werden. Man kann ihn zwar nicht immer vollständig heilen, gute und nachhaltige Behandlungsergebnisse sind aber möglich.

Die Akupunktur darf nicht angewendet werden bei Krebs, altersbedingter Asthenie oder Asthenie, die durch andere Krankheiten hervorgerufen wurde, und wenn der Patient zu sehr erregt ist. In diesen Fällen empfiehlt es sich, auf die Homöopathie, bioenergetische Therapie oder Akupressur zurückzugreifen.

 

Die schwachen Seiten der Akupunktur

Viele Patienten lehnen die Akupunkturbehandlung ab, weil sie Angst vor Nadeln haben. Sie brauchen aber keine Angst zu haben, denn die Schmerzen, die man beim Einstechen der Nadel empfindet, sind nur leicht. Diese Schmerzen muss der Patient aber unbedingt empfinden, weil sie ein Zeichen dafür sind, dass der Akupunkteur die Punkte genau getroffen hat und sie auf die Stiche reagieren. Wenn die Punkte nicht reagieren, braucht man mit guten Ergebnissen nicht zu rechnen. Bei akuten Fällen ist es einfach, die Punkte zu treffen. Bei chronischen Erkrankungen muss man sie manchmal suchen, indem man die Nadelspitze nach rechts und links, nach oben und unten leicht bewegt. Das ist zwar nicht so angenehm, aber eine Nadel ist schließlich keine zahnärztliche Bohrmaschine.

Wenn die Behandlung nicht sorgfältig genug durchgeführt wird, sind Komplikationen möglich.

Manchmal wird beim Einstechen der Nadel ein reflektorischer Muskelspasmus ausgelöst. Das ist aber nicht schlimm. Nach einer leichten Massage lässt sich die Nadel locker herausnehmen.

Wenn auf der Nadel Unebenheiten vorhanden sind (was wegen der häufigen Sterilisation nicht selten vorkommt), können sich Muskelfasern daran aufdrehen. In diesem Fall muss die Nadel beim Herausziehen in die entgegengesetzte Richtung gedreht werden.

In der Akupunktursitzung wird es für Sie nicht immer bequem sein, lange in ein und derselben Position zu sitzen oder zu liegen. Wenn Sie versuchen, die Stellung zu ändern, kann es dazu kommen, dass die Nadel bricht. Den abgebrochenen Teil kann man normalerweise mit einer Pinzette herausnehmen. Wenn das nicht gelingt, dann muss ein Chirurg herangezogen werden.

Bei zwei oder drei von hundert Patienten tritt bei der ersten Sitzung ein leichter Schock oder ein ohnmachtsähnlicher Zustand auf: Schwindel, Blässe, kalter Schweiß und Übelkeit. Manchmal kommt es sogar zu einer Ohnmacht oder zum Kollaps. Todesfälle nach dieser Behandlung wurden noch nie registriert. Falls bei Ihnen diese Symptome auftreten, erschrecken Sie sich nicht. Nach drei oder vier Minuten vergeht das - besonders wenn der Therapeut daran denkt, stark mit dem Fingernagel auf den Punkt unter der Nasenscheidewand oder auf den Punkt des vegetativen Nervensystems an der Ohrmuschel zu drücken.

Darf die Sitzung nach dem Schock fortgesetzt werden? Wenn Sie sich nicht zu Tode erschreckt haben, dann darf man weitermachen. Nach der Behandlung dürfen Sie den Raum erst dann verlassen, wenn der Therapeut und Sie sich sicher sind, dass bei Ihnen wirklich alles in Ordnung ist und dass Sie keinen Kollaps mehr irgendwo auf der Straße oder, Gott bewahre, am Steuer bekommen.

Manchmal kann die Nadel beim Herausziehen ein Gefäß berühren, dann kommt es zu einer geringen Blutung. Aber da die Punkte weit entfernt von den großen Gefäßen liegen, kann die Blutung nicht lange dauern. Sie ist leicht zu stillen, indem man mit Watte auf diese Stelle drückt.

Äußerst unangenehm ist es für den Patienten, wenn die Nadel einen Nerv berührt. Es fühlt sich dann so an, als ob man einen leichten elektrischen Schlag versetzt bekommt.

Wenn aber die Nadel die Pleura oder den Darm durchsticht, dann wird es ernst. In diesem Fall muss der Patient sofort in die Chirurgie eingeliefert werden. Aus diesem Grund ist in den meisten Ländern der Welt gesetzlich festgelegt, dass nur ein Arzt eine Akupunktur durchführen darf. Nicht weil ein „Nicht-Arzt“ dazu unfähig wäre, diese Therapie zu erlernen – so schwer ist sie eigentlich nicht, – sondern weil ein Arzt Komplikationen vermeiden kann. In manchen Staaten der USA allerdings reicht es aus, eine entsprechende Lizenz zu haben, um diese Tätigkeit auszuüben; eine medizinische Ausbildung braucht man dort nicht. In Ungarn darf man die Akupunktur auch ohne Diplom ausüben - aber nur die Ohrenakupunktur. Denn an der Ohrmuschel gibt es keine lebenswichtigen Organe und es kann zu keinen ernsthaften Komplikationen kommen.

Zu den größten Unannehmlichkeiten gehört natürlich die Ansteckung mit AIDS oder, was wahrscheinlicher ist, mit einer Virushepatitis. Die Möglichkeit, sich mit AIDS zu infizieren, ist niedrig, denn der Virus stirb bei 80 Grad ab. Für die Sterilisation reicht es, die Nadeln leicht zu kochen. Um das Hepatitisvirus abzutöten, sind 120 Grad nötig – einfach nur kochendes Wasser reicht nicht aus. Um derartige Komplikationen zu vermeiden, werden in den reichen Ländern Einmalnadeln verwendet. Und in den ärmeren Ländern kaufen die Patienten beim Therapeuten Nadeln für ihre eigene Behandlung.

 

Wie die Akupunktur funktioniert

Ich bin mir nicht sicher, ob die Aborigines Australiens eine Vorstellung davon hatten, wie ein Bumerang funktioniert. Aber die Unkenntnis der Gesetze der Aerodynamik hinderte sie nicht daran, diese Waffe in der Praxis zu benutzen.

Genau so verhält es sich mit der Akupunktur. Die einzige ehrliche Antwort auf die Frage, wie sie funktioniert, lautet: „Man weiß es nicht.“ Aber wir sind doch keine Aborigines und wollen unbedingt verstehen, was geschieht. Gibt es denn keine Theorie? Dann muss sie erfunden werden. Und sie wurde erfunden! Ich versuche, sie kurz zu erläutern.

Die Akupunktur beeinflusst die Energievorgänge im Organismus. Die innere Energie jedes Menschen fließt in einem Kreis über 12 Hauptmeridiane, von denen jeder mit einem bestimmten inneren Organ verbunden ist. Dieser Kreis sieht so aus: Lungen – Dickdarm – Magen – Milz – Herz – Dünndarm – Harnblase – Nieren – Herzbeutel – dreifacher Erwärmer – Gallenblase – Leber – und wieder Lungen. Der Kreis schließt sich. In diesem Kreis fließt unsere Energie.

Nicht wahr, es ist doch etwas komisch, dass die Energie aus dem Herzen direkt in den Dünndarm fließt, aus dem Herzbeutel in irgendeinen dreifachen Erwärmer und aus den Lungen, entschuldigen Sie bitte, in den Enddarm. Aber das kommt nur uns komisch vor. Für die Chinesen, die das Ganze erfunden haben, ist das eigentlich normal. Sie haben ihre eigene Logik. Die alternativen Behandlungsmethoden haben auch ihre eigene Logik. Also wundern Sie sich über nichts.

Auf jedem der 12 Meridiane liegt eine Reihe von Punkten. Am einfachsten sind die tonisierenden und die beruhigenden (sedativen) Punkte zu verstehen. So befinden sich in unserem Körper nach Meinung der Chinesen 12 tonisierende und 12 beruhigende Punkte. Wie die Bezeichnung schon andeutet, können ein Nadelstich, Moxabrennen, eine Massage oder andere Einwirkungen auf einen erregenden Punkt den Energiegehalt in dem entsprechenden Meridian und dem mit ihm verbundenen Organ erhöhen. Die Reizung der sedativen Punkte verringert die Energie. Wohin gelangt diese Energie? In einen anderen Meridian. Während bei der bioenergetischen Therapie der Energiemangel von außen behoben wird und die überflüssige Energie ausgeführt oder verbrannt wird, kann man bei der Akupunktur die Energie nur umverteilen bzw. harmonisieren, aber keine Energie „hinzufügen“. Wenn in einem Meridian ein Überfluss an Energie festgestellt wurde, muss diese überflüssige Energie dorthin verlagert werden, wo sie fehlt, und umgekehrt.

Auf den Meridianen liegen auch verstärkende Punkte: der mitfühlende Punkt (er bemitleidet sozusagen) und der helfende Punkt (er hilft). Sie dienen zur Verstärkung der Wirkung der tonisierenden und beruhigenden Punkte. Daraus folgt, dass zu den 24 bereits erwähnten noch 12 + 12 Punkte hinzukommen, bis jetzt sind es also 48. Im Kapitel Reflexdiagnostik haben wir 12 Diagnosepunkte angesprochen. Also haben wir nun 60 Punkte. Und genau das ist die Mindestzahl der wichtigsten Akupunkturpunkte.

Den besonders Neugierigen möchte ich mitteilen, dass es darüber hinaus noch 12 Schmerzpunkte, 12 stabilisierende Punkte, mehrere Dutzend Punkte, die außerhalb der Meridiane liegen, und dazu noch viele andere Punkt gibt, die die Akupunktur-Therapeuten je nach Stand ihrer Kenntnisse einsetzen 

Es gibt noch einen Wirkungsmechanismus, der erklärt, warum die Akupunktur gerade bei Schmerzen effektiv ist. Die Reizung der Akupunkturpunkte führt dazu, dass vom Apotheken-Punkt Endorphine abgesondert werden. Das sind besondere Stoffe, die zum Teil wie ein Betäubungsmittel wirken und dem Morphium ähneln. Deshalb ist es möglich, Patienten nach einer richtig durchgeführten Akupunktursitzung ohne Narkose zu operieren.

 

Hängt das Behandlungsergebnis von der Qualifikation des Akupunkturtherapeuten ab?

Die Reflextherapeuten mit der größten Erfahrung können Sie von sieben bis zehn Erkrankungen heilen. Durchschnittliche Spezialisten können selten etwas bewirken, was über die Schmerzlinderung hinausgeht.

Warum? 

Die Philosophie dieser Behandlungsmethode scheint klar zu sein. Aber nicht jeder „Nicht-Chinese“ kann sie begreifen. Außerdem muss man ein phänomenales Gedächtnis besitzen, um sich eine Menge von Punkten zu merken: Wo sie sich befinden und wie tief sie liegen und wozu sie dienen und welche Gegenanzeigen es gibt. Darüber hinaus muss man zahlreiche Regeln berücksichtigen: die Konzepte U-Sin, Yin-Yang und Bu-Tse, welche Krankheiten durch „Kälte“, „Hitze“ oder „Wind“ verursacht werden (das hat aber mit der Wettervorhersage gar nichts zu tun), zu welcher Uhrzeit man den Patienten behandeln muss usw. Die meisten Akupunkteure benutzen jedoch nur die bereits vorhandenen Rezepte, die in der Fachliteratur beschrieben sind. Einer meiner Kollege sagt: „Ich habe 60 Punkte gelernt, die ich mein ganzes Leben lang benutzt habe, und ich lasse mich nicht dazu zwingen, auch noch den 61. zu lernen.“

Andererseits sollte man nicht an den Mythos glauben, dass die Chinesen etwas wissen, was die Europäer nicht begreifen können. In meinem Gesundheitszentrum arbeiten auch chinesische Ärzte, von denen die meisten nach bestimmten Behandlungsmustern vorgehen.

In Amerika wurde ein interessantes Experiment durchgeführt. Es wurden zwei Gruppen von Patienten mit ähnlicher Pathologie gebildet. Die beiden Gruppen wurden mit Akupunktur behandelt. Bei der Behandlung der Patienten in der ersten Gruppe hielt man sich streng an alle geschriebenen und ungeschriebenen Regeln. In der zweiten Gruppe hatte man den Akupunkteuren freie Hand gelassen.

Und was glauben Sie, was dieses Experiment gezeigt hat? Dass selbstverständlich die Ergebnissen bei denjenigen, die nach den Regeln vorgingen, besser ausfielen, oder?

Davon kann nicht die Rede sein! Witzig ist, dass in den beiden Gruppe das Durchschnittsergebnis fast gleich war! Und in beiden Gruppen war es ziemlich gut. Dieses Experiment sorgte übrigens zu seiner Zeit für einen Aufsehen erregenden Skandal: Sind alle diese Akupunkturpunkte und -methoden völliger Unsinn?! Ich war von dieser Nachricht so erschüttert, dass ich mich für ein eigenes, ähnliches Experiment entschied. Na ja, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das Ergebnis: Viele Patienten bedankten sich nach der zweiten oder dritten „freien“ Akupunktursitzung für die erfolgreiche Behandlung.

Wie kann man dieses Paradoxon erklären?

Beachten Sie: Nicht zum ersten Mal haben wir es in der alternativen Medizin mit einem Paradoxon zu tun, obwohl wir noch lange nicht am Endes des Buches sind.  

Und hier ist die Erklärung. An den Ergebnissen dieses Experimentes gibt es nichts Verwunderliches. Wir haben bereits erwähnt, dass der Körper bei der Nadelung schmerzstillende Substanzen, Endorphine, produziert. Genau sie waren für das gute Ergebnis ausschlaggebend.

Eine „freie“ Akupunkturbehandlung, bei der die Regeln außer Acht gelassen werden, sollte kann man nur in leichten Fällen durchführen – in Fällen also, die auch jemand bewältigen könnte, der nur mit 60 Punkten arbeitet. Meister aber können Wunder bewirken.

Sehr geehrter Leser und Patient! Haben Sie keine Angst vor der Akupunktur! Die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen ist nicht höher als bei einer Zahnfüllung, und die Wirkung der Akupunktur werden Sie auch bei einem durchschnittlichen Spezialisten spüren.

Sehr geehrter Herr Kollege Arzt! Wenn Sie ein fauler Mensch sind, ziehen Sie es erst gar nicht in Erwägung, eine Akupunktur-Ausbildung zu machen (es ist einfach zu viel Paukerei). Wenn Sie aber nicht faul sind, wird die Akupunktur für Sie zu einem wunderbaren zusätzlichen Werkzeug.

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